Hier stellen wir Texte zur Verfügung, für die das Gästebuch keinen Raum bietet 

Auf Anregung unseres Mitglieds Volker Hannen haben wir diese Rubrik eröffnet. Volker wollte gern seine Gedanken zu Krieg, Frieden und Mahnmalen mitteilen und das Gästebuch schien nicht der geeignete Platz zu sein. Bei den hier veröffentlichten Beiträgen handelt es sich um die Meinung der Unterzeichner und nicht um die der Bürgerinitiative "Bilk pro Bunker".

 

Bürgeranfrage der BI 30.9.14
Hier der Wortlaut unserer Anfrage an die BV3 zur Zukunft des Bunkers

 

 

Helene Struth, die Zeitzeugin aus dem Video-Interview, hat ein Gedicht zum Bilker Bunker verfasst, welches wir hier veröffentlichen dürfen.

Bunkergedicht

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der 1935 in Düsseldorf geborene Schriftsteller Dieter Forte, seit langem in Basel lebend, hat mit der Romantrilogie "Das Haus auf meinen Schultern" seiner Heimatstadt das literarisch wahrscheinlich bedeutendste erzählerische Werk gewidmet.
Im mittleren Teil der Trilogie, dem Roman "Der Junge mit den    blutigen Schuhen", schildert Forte die Jahre des Zweiten Weltkrieges in einer westdeutschen Großstadt, Düsseldorf.  

Der Junge mit den blutigen Schuhen erlebt die ständigen Luftangriffe, sieht Familienangehörige sterben, erlebt die Zerstörung seiner Stadt - und überlebt.
     

Dieter Forte, der deutlich sichtbar eigene Erfahrungen in diesem    Roman verarbeitet, hat uns einen Brief mit einem deutlichen Plädoyer für den Erhalt des Hochbunkers als Denk- und Mahnmal zukommen lassen.
Wir hoffen, daß die Stimme des bedeutendsten lebenden Düsseldorfer   Schriftstellers nicht ungehört bleibt.
Dieter Forte schreibt: 

Vielleicht hilft es ja wenn man in Städten gewohnt hat, deren Stadtbild bekannt ist. Ich wohnte kurze Zeit in Berlin und Wien, lange in Hamburg, nun schon sehr lange in Basel. Eine Stadt, die nie einen Krieg erlebte, unzerstört ist, und deswegen auch den geschäftsmäßigen Abriss ihrer alten Gebäude unbedingt vermeidet, auch wenn sie aus dem 13 Jahrhundert sind. Man lernt etwas in diesen Städten über Maß und Maßlosigkeit. Zum Bunker in Bilk: Es gibt Bauten, die aus einer Stadt nicht verschwinden dürfen. Als das Haus, das zuvor dort stand, mitsamt seinen Menschen zerfetzt wurde, saß auch ich ein paar Ecken weiter im Keller. Es war Zufall wer in dieser Nacht starb. Eine "Ballistische Abweichung", wie Alexander Kluge das nennt. Es geht aber nicht um meine Erinnerung. Wenn Fremde von mir den Luftkrieg erklärt haben wollten, zeigte ich ihnen die Hochbunker. Sie verstanden und hatten keine Fragen mehr. Lassen wir den Bunker stehen. Er ist unser Stadtbild. Er ist Teil der Geschichte Düsseldorfs, eine junge Stadt mit einer kurzen Geschichte. Wir haben keine Straßenzüge aus dem 13 Jahrhundert, aber es ist verdammt viel passiert. Erinnern wir uns daran.

 

Klingers Zeitreisende
Aus dem Katalog "Klinger. Wandmalerei und Kulturaustausch mit Lateinamerika" von Farbfieder e.V.

 

 

Dokumentation "Zeitreisende"
Die Entstehung des Gemäldes auf dem Bilker Bunker

 

 

 

 

Volker Hannen (rechtsanwalt-hannen@t-online.de) zu Krieg und Frieden:

 

Im Deutschland des Novembers 1918 standen zunächst Kieler Matrosen und dann auch das bis dahin untertänige Volk auf, und wandten sich gegen die scheinbar patriarchalische,tatsächlich jedoch autoritäre und anmaßende Staatsgewalt, welche das eigene Volk herumkommandierte und unterdrückte, und dessen Ausbeutung und soziale Not zuließ.

Vor allem aber wandten sich die Menschen im November 1918 gegen eine anmaßende Staatsgewalt, welche den Frauen die Männer nahm. Gegen eine anmaßende Staatsmacht, die den Kindern die Väter nahm. Gegen eine anmaßende Staatsmacht, die den Müttern die Söhne nahm. Und gegen eine anmaßende Staatsmacht, die den Männern befahl, andere Männer anderer Völker zu töten und zu Krüppeln zu schießen. Und gegen eine anmaßende Staatsmacht, welche die „eigenen“ Männer auf Schlachtfelder führte, auf denen sie zu Krüppeln geschossen und totgeschossen wurden.

Mit dem Mute der Verzweiflung erkämpften sich Arbeiter- und Soldatenräte Mitsprache und Mitbestimmung, befreiten sich von Monarchie und Krieg.

Aber die Verbrechen der Monarchie und die Leiden und Schrecken des Krieges wurden schnell vergessen. Die alten Machteliten hatten großen Einfluss auf die öffentliche Meinung, und sorgten dafür, das die Schuld an sich auftuenden sozialen Problemen dem Ausland und „den Juden“ in die Schuhe geschoben wurden. Im Frühjahr 1933 waren weite Teile des Volkes soweit verdummt und verführt, daß sie es zuließen, daß ihnen die Demokratie und Freiheit genommen wurde, und das die Staatsmacht dem Volk wieder Gehorsam abverlangen konnte. Die Staatsmacht verantwortete sich nicht mehr vor dem Volk, sondern umgekehrt wurden die Bürger gezwungen, sich vor der Staatsmacht zu verantworten. 

Ein Großteil des Volkes berauschte sich an der „kraftvoll“ auftretenden Staatsmacht, und klatschte begeistert Beifall, während ein anderer Teil sich aus Opportunismus und Angst und  Bequemlichkeit anpasste.

Unsere Staatsmacht ging gegen alles, was sie störte, rücksichtslos und brutal vor. Zunächst im Inneren des Landes, und dann auch gegen ausländische Völker und Staaten.  

Erneut nahm unsere anmaßende Staatsmacht den Frauen die Männer, den Kindern die Väter, und den Müttern die Söhne. Die anmaßende Staatsmacht befahl den Männern erneut, andere Männer anderer Völker zu töten und zu Krüppeln zu schießen. Und die anmaßende Staatsmacht führte die „eigenen“ Männer auf Schlachtfelder, auf denen sie zu Krüppeln geschossen und totgeschossen wurden.

Zudem terrorisierte unsere Staatsmacht auch die Zivilbevölkerung ausländischer Staaten, warf Sprengbomben und Brandbomben auf Wohnviertel ausländischer Städte, lies rauben, morden, plündern, brandschatzen, Massaker verüben, ganze Landstriche verwüsten, lies die Menschen in Leningrad und anderswo verhungern, und ermordete viele Millionen Menschen bei Massenexikutionen und in Konzentrationslagern.

Nur das Übermaß an Machthunger unserer Staatsmacht, und die Kraft ausländischer Mächte, setzten dem Wahnsinn und den Verbrechen ohne Ausmaß schließlich ein spätes Ende.   

 

Der Bilker-Bunker ist ein Zeit-Zeugnis des schrecklichen und mörderischen Bombenkrieges gegen die Zivilbevölkerung, den unsere anmaßende Staatsmacht zunächst in andere Länder getragen hatte, und der dann, getreu dem Bibelzitat „Wer Wind säht, wirdSturm ernten!“ zurückkam, und so auch unser Land und unsere Stadt und unseren Stadtteil heimsuchte.

Als nach Kriegsende immer weiteren Teilen des Volkes das ganze Ausmaß der Verbrechen und des Terrors und des Unrechts und des Wahnsinns und des Leids klar wurden, schworen große Teile des Volkes sich „Nie wieder Krieg! Und nie wieder Faschismus!“.

Aber Teile der Machteliten der alten Staatsmacht hatten sich bereits im letzten Kriegswinter bereit erklärt, ihr Volk weiterhin in den Krieg zu führen und weiterhin morden und weiterhin sterben zu lassen, und zwar nun an der Seite der mächtigsten Siegermacht, gegen die zweitmächtigste Siegermacht. 

Aufgrund glücklicher Umstände kam es dazu jedoch nicht.

Es dauerte jedoch nicht lange, und da verlangten die beiden mächtigsten Siegermächten in den von ihnen hegemonisierten Teilen unseres Landes eine Wiederbewaffnung des Volkes, um es als eine Art „Auxilartruppen“ gegen den jeweiligen Gegner einsetzen zu können.

Da die Siegermächte großen Einfluss auf die Politik und Medien in unserem Land hatten, gelang es ihnen, Feindbilder und Bedrohungszenarien zu schüren, und in Ost und West die Wiederbewaffnung und sogar die Wiedereinführung der Wehrpflicht durchzusetzen.

Die Kriegsgefahr zwischen den USA und der UdSSR wurde so immer wieder auch zur Kriegsgefahr für Deutschland, etwa während der Kuba-Krise, der Neutronenbombenkrise, derSDI-Krise, der Nato-Doppelbeschluss-Krise, der Krise um die Nato-Übung „Able-Archer-83“.

Als Gorbatschow der Auflösung des Warschauer Paktes zustimmte, weitete die Nato ihren Einflussbereich immer weiter nach Mitteleuropa und Osteuropa aus.

US-Geheimdienste unterstützten Separatisten in Sowjetrepubliken und in Jugoslawien.

In Bosnien und im Kosovo rüsteten US-Geheimdienste gemeinsam mit Saudi-Arabien Separatisten militärisch aus, trainierten deren irreguläre Kämpfer, und versorgten sie mit Ergebnissen ihrer Nachrichtendienste und ihrer Aufklärung.

Ähnliches geschah in Georgien und in Tschetschenien.

US-General Wesley Clark befahl britischen Nato-Soldaten in Jugoslawien sogar einen Angriff auf russische Soldaten, und der 3. Weltkrieg wurde nur durch Befehlsverweigerung seitens der Briten verhindert.

Seit der Amtseinführung Putins zum Jahreswechsel 1999 / 2000 ist Russland nicht mehr länger bereit sich dies bieten zu lassen.

Die USA setzen ihre Politik der ständigen Destabilisierung aller Staaten die nicht ihrer Einflusssphäre angehören fort, und streben weiterhin unverändert eine ständige Ausdehnung ihrer Einflusssphäre an.

Wir brauchenMahnmäler gegen Kriegshetze und gegen Krieg.

Der BilkerBunker ist so ein Mahnmal.  

 

Volker Hannen, März 2014